Finanzinvestoren schlucken Zahnarztpraxen

Investmentgesellschaften übernehmen reihenweise Zahnarztpraxen in Deutschland, um damit  gewinnträchtige Ketten zu bilden. Die deutsche Ärzteschaft schlägt Alarm“ so die Frankfurter Rundschau am 3.9.2018 . Sie schrieb von einem „regelrechten Goldrausch“, der seit einer Gesetzesänderung 2015 in Deutschland herrsche. Was ist passiert?
GRUNDLAGE: Normale ärztliche Gemeinschaftspraxen dürfen sich nicht unbegrenzt vergrößern, also neue Ärzte aufnehmen. Es können auf diesem Wege also keine Rieseneinheiten entstehen, in die „ausländische Multis“ womöglich investieren würden, um so am „deutschen Gesundheitsmarkt“ mitzuverdienen. Das verbietet der „Bundesmantelvertrag-Zahnärzte“ , der zB die Aufnahme auf zwei weitere Vollzeit-ZÄ oder vier Halbzeit-ZÄ begrenzt.
Für Medizinische Versorgungszentren=MVZ galt diese Begrenzung nie. Die geniessen neben den Kostenvorteilen der Gemeinschaftspraxen (teilweise für alle Patienten nur eine Rezeption, eine EDV, ein Wartezimmer, eine Toilette usw.) , auch weitere rechtliche und finanzielle Vorteile, zB in deren Vereinbarungen mit den Krankenversicherungen. Jedoch waren bis 2015 MVZ nur für Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen erlaubt. GESETZESÄNDERUNG: Seit 2015 sind auch arztgruppengleiche MVZ zulässig, also MVZ die zB nur aus vielen Zahnärzten bestehen. Zahnärzte die richtig expandieren wollten, also absolute Riesenzahnarztpraxen oder eine regelrechte „Kette“ gründen wollten, können das erst seit 2015, aufgrund dieser Gesetzesänderung.

Die Gründung einer normalen Zahnarztpraxis ist sehr teuer, und deren korrekter Betrieb sehr arbeitsaufwendig. Viele ZÄ ziehen es vor, lediglich Angestellter zu sein, statt vollverantwortlicher Unternehmer. ZA-MVZ`s haben aufgrund ihrer Vorteile gegenüber einer Einzelpraxis also logischerweise eine „Sogwirkung“ auf viele Zahnärzte. Entsprechend stieg die Zahl der in solchen „Zahnarzt-MVZ“ tätigen Zahnärzte lt. n-tv. de im gestrigen Bericht  alleine 2017 um 70% !
Und die Zahnärzte einer ZA-MVZ müssen räumlich noch nichteinmal „unter einem Dach“ arbeiten. Das Ganze sollte die ländliche Versorgung verbessern ging aber offenbar nach Hinten los. Seitdem gibt es rund 600 ZA-MVZ, aber wohl überwiegend dort, wo die Versorgung ohnehin gut war. Die ländliche ZA- Versorgung wurde deswegen wohl sogar noch schlechter, meint auch die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung KZBV.
Diese ZA-MVZ dürfen jedoch nur von Ärzten oder Kliniken gegründet werden. Eben als Schutz davor ein Spekulationsobjekt für Investoren zu werden die mit Gesundheit eigentlich Nichts am Hut haben.

DER OBEN ERWÄHNTE „GOLDRAUSCH“: Finanzinvestoren (also teilweise riesige international tätige „Konzerne“) umgehen diese Schranke, indem Sie zB Kliniken in Geldnot aufkaufen, weil sie als deren Eigentümer dann selbst MVZ gründen können. Die versuchen dann, soviele Zahnärzte wie möglich dieser MVZ anzuschließen, nur mit dem Ziel der maximalen Rendite für ihre Kapitalgeber. Alles wird zu einem Spekulationsobjekt. Der n-tv.de – Bericht äussert die Sorge, dass sich solche Zahnarzt-MVZ überwiegend nur um besonders lukrative Zahnprobleme kümmern, also neue Brücken und Kronen. (Auch n-tv.de berichtete gestern von einer deshalb schlechter werdenden Versorgung auf dem Lande) Wobei unklar ist, wieviele dieser 600 neuen MVZ „von Heuschrecken befallen“ sind. Die Rendite ergibt sich für die Finanzinvestoren daraus, dass alle MVZ-Zahnärzte lediglich den Angestelltenlohn erhalten, was übrig ist geht an die Hintermänner. Das eine oder andere Mal können bei Gründung die Immobilien der Pleitekliniken sicher billig übernommen werden / Ausnutzung der finanziellen Notlage. Dadurch zusätzlicher Gewinn bei späterem Weiterverkauf des MVZ.

Wenn die KZBV g e g e n Etwas ist, dann spricht das ja erstmal d a f ü r. Aber diese ZA-MVZ, jedenfalls wenn sie von Multis nur als Renditeobjekt geschaffen wurden, sind wohl eindeutig schlecht für die Patienten.

KZBV am 22.8.2018: „Wer jedoch den Ausverkauf zahnmedizinischer Versorgung an renditeorientierte Finanzjongleure und Spekulanten nicht stoppt, ist dafür verantwortlich, dass die mehr als 60 Jahre durch KZBV und Kassenzahnärztliche Vereinigungen sichergestellte flächendeckende, wohnortnahe und qualitätsgesicherte Versorgung unwiderruflich ruiniert wird…
Anders als Vorstand Hr.Dr.Eßer dort sagt, ist und war die Qualität der Versorgung auch ohne solche neuen „Finanzinvestoren-MVZ“ natürlich längst nicht bei allen Zahnärzten gesichert. Aber dazu gibt`s hier ja genug Beiträge….

Eines ist klar und gilt auch für ZA-MVZ ohne Investoren im Hintergrund: Je grösser der Laden ist, umso eher ist der Patient bei Problemen der Gekniffene: „Hr.Dr.Soundso ist nicht mehr bei uns tätig….Nein, das hat wohl Fr.Dr.Soundso gemacht, die ist heute nicht im Haus.“ Bei jeglicher Rechtstreitigkeit kann Alles zumindest teilweise erstmal auf andere Personen geschoben werden. Die Zukunft für Patienten wird leider nicht besser….

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